Wissensreihe: Biologische Kreislaufwirtschaft

Unter unseren Füßen existiert ein faszinierendes Netzwerk, das Pflanzen verbindet, Böden fruchtbar hält und natürliche Kreisläufe stabilisiert. Es ist unsichtbar, aber von enormer Bedeutung: das Mykorrhiza-Netzwerk, oft auch als „Wood Wide Web“ bezeichnet.

In diesem Teil unserer Wissensreihe erklären wir einfach und verständlich, wie dieses Netzwerk funktioniert und warum es für die biologische Kreislaufwirtschaft so wichtig ist.

🌱 Was bedeutet Mykorrhiza?

Der Begriff Mykorrhiza beschreibt die enge Lebensgemeinschaft zwischen Pflanzenwurzeln und Pilzen. Dabei arbeiten beide Seiten zusammen:

  • Die Pflanze versorgt den Pilz mit Zucker aus der Photosynthese.
  • Der Pilz versorgt die Pflanze mit Wasser, Mineralstoffen und Spurenelementen.

Diese Partnerschaft gibt es seit Millionen von Jahren – und sie ist einer der Gründe, warum Pflanzen an Land überhaupt erfolgreich wachsen konnten.

🍄 Pilze als Wurzelverlängerung

Mykorrhiza-Pilze bilden feine Pilzfäden, sogenannte Hyphen, die weit in den Boden hineinreichen. Dadurch:

  • vergrößert sich die Aufnahmefläche der Pflanzenwurzeln um ein Vielfaches,
  • können Wasser und Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten erschlossen werden,
  • werden Nährstoffe wie Phosphor besonders effizient aufgenommen.

Für Pflanzen bedeutet das: besseres Wachstum, höhere Widerstandskraft und weniger Stress bei Trockenheit.

🌐 Das „Wood Wide Web“ – Pflanzen im Austausch

Über Mykorrhiza-Netzwerke sind Pflanzen unterirdisch miteinander verbunden. Dieses Netzwerk ermöglicht:

  • den Austausch von Nährstoffen,
  • die Weitergabe von Wasser,
  • Warnsignale bei Schädlingsbefall oder Trockenstress,
  • Unterstützung junger oder geschwächter Pflanzen.

Pflanzen agieren damit nicht als Einzelkämpfer, sondern als Teil einer Gemeinschaft.

♻️ Bedeutung für Boden und Kreisläufe

Mykorrhiza und andere Mikroorganismen sind zentrale Akteure in der biologischen Kreislaufwirtschaft:

  • Sie fördern den Humusaufbau.
  • Sie stabilisieren die Bodenstruktur.
  • Sie halten Nährstoffe im Kreislauf.
  • Sie erhöhen die Bodenfruchtbarkeit langfristig.

Ein lebendiger Boden mit funktionierenden Netzwerken ist widerstandsfähiger gegen Klimaschwankungen und Erosion.

🚫 Was schadet dem Mykorrhiza-Netzwerk?

Das empfindliche Bodengefüge kann leicht gestört werden durch:

  • intensive Bodenbearbeitung,
  • chemisch-synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel,
  • Bodenverdichtung,
  • fehlende organische Substanz.

Solche Eingriffe unterbrechen Netzwerke, die über Jahre oder Jahrzehnte entstanden sind.

🌿 Wie kann man Mykorrhiza fördern?

Jeder kann dazu beitragen, das Bodenleben zu stärken:

  • organisches Material kompostieren und ausbringen,
  • Böden mulchen und bedeckt halten,
  • vielfältige Pflanzen anbauen,
  • Boden möglichst wenig stören,
  • auf chemische Mittel verzichten.

So entstehen stabile, lebendige Kreisläufe – im Garten ebenso wie in der Landwirtschaft.

🤝 Unser Ansatz als Förderverein

Der Förderverein für biologische Kreislaufwirtschaft möchte dieses oft unbekannte Wissen sichtbar machen. Denn nur wenn wir verstehen, wie stark alles miteinander verbunden ist, können wir verantwortungsvoll handeln.

Mykorrhiza zeigt eindrucksvoll: Gesunde Kreisläufe entstehen durch Zusammenarbeit – unter der Erde wie über ihr.

🌍 Fazit

Das „Wood Wide Web“ ist das stille Rückgrat gesunder Böden. Mykorrhiza verbindet Pflanzen, fördert Wachstum und macht biologische Kreislaufwirtschaft erst möglich.

➡️ Im nächsten Teil unserer Wissensreihe geht es um Mehrgenerationen-Wissen – warum wir voneinander lernen sollten und wie Wissen aus Gärtnern, Kochen, Handwerk und Kräuterkunde weitergegeben werden kann.

Begleiten Sie unsere Wissensreihe und entdecken Sie die verborgenen Netzwerke der Natur.

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